Mit Einweihung des neuen Biomasseheizkraftwerkes ...

Wieninger Einzelmeldung

 

01.12.2010

... hat die Privatbrauerei M.C. Wieninger einen weiteren Schritt in ihrer umweltbewussten Firmenphilosophie erreicht.

Neben der sehr hohen regionalen Wertschöpfung können durch die neue Anlage rund 500.000 Liter Schweröl jährlich eingespart werden.

Mit der neuen Biomasseheizanlage bei der Privatbrauerei M.C. Wieninger ist der Firma ein gewaltiger Schritt in eine umweltverträgliche Zukunft gelungen. Es können hiermit nicht nur rund 500.000 Liter Schweröl eingespart werden, die benötigten rund 3.000 t/a Hackgut kommen aus der Region, somit bleibt auch die Wertschöpfung in der Region. In einer kleinen Feierstunde wurde die neue Anlage nur offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Nach der Begrüßung aller Ehrengäste aus den beteiligten Planungsbüros, Behörden und Firmen ging Christian Wieninger auf die Firmenphilosophie der Brauerei ein. Sein Vater Max Wieninger habe sich bereits vor gut 20 Jahren entschieden, der Betrieb müsse sich neben den täglichen Aufgaben auch intensiv mit den Auswirkungen seines Handelns auf die Umwelt beschäftigen. Damals wurde dies von der Konkurrenz zwar belächelt, weil es nur hohe Investitionskosten aber wenig Ertrag bringe, heute zeigt sich, welch weise Entscheidung die Privatbrauerei schon damals getroffen hat. Besonders bemerkenswert ist, dass alle Mitarbeiter voll hinter dem Programm stehen und es nach Kräften unterstützen.

Die Investitionen haben sich nicht nur als sinnvoll sondern auch als wirtschaftlich erwiesen, meinte Christian Wieninger und nannte den Bau der eigenen biologischen Abwasseranlage,  die die Abwasserschmutzfracht um 90 %verringert, weiters wurde eine CO2 -Rückgewinnungsanlage gebaut, das hier gewonnene CO2  wird als Kohlensäure im Betrieb wiederverwendet, es gibt einen eigenen Wertstoffhof und viele viele kleinere Maßnahmen, die dazu führen, dass der Verbrauch und die Abgabe umweltrelevanter Stoffe über die Jahre deutlich reduziert werden konnten. So ist die Umstellung des Hauptenergieträgers auf Biomasse nur eine logische Fortführung einer Entwicklung, die schon vor langer Zeit begann.

Dennoch fiel die Entscheidung nicht leicht, sagte der Brauereichef. waren doch mehrere Energieträger wie das kostengünstige schwere Heizöl, Gas, leichtes Heizöl und Biomasse im Gespräch. Die Entscheidung für die Biomasse wurde nicht aus wirtschaftlichen Gründen getroffen, sondern weil dieser Brennstoff am besten zum Konzept der Brauerei passt, weil uns die Förderung der regionalen Wirtschaftskreisläufe wichtig ist und weil wir als Familienunternehmen langfristig und nachhaltig denken und diese Entscheidung auf jeden Fall auch für unsere Kinder und Enkel die beste ist, so Wieninger. Ihm gehe es so richtig gut, wenn er daran denke, dass nun statt über 500.000 l Heizöl pro Jahr Holzhackschnitzel aus heimischem Abfallholz verheizt werde. Jetzt riecht es nicht nur gut nach Bier sondern auch noch gut nach Wald in der Brauerei.

Mit einem Dank an alle, die an diesem Projekt mitgewirkt haben, dem Planungsbüro, dem Ingenieur- und Architekturbüro, allen Behörden, den beteiligten Firmen und natürlich den eigenen Mitarbeitern schloss Christian Wieninger seine Rede

Es war eine große Herausforderung, das gesamte Kesselhaus in historischen Gemäuern bei laufendem Betrieb umzubauen und gleichzeitig den Betrieb energetisch zu optimieren,   sagte dann Diplom-Ingenieur Michael Gammel vom Planungsbüro Gammel Engineering aus Abensberg und erläutere das Bauvorhaben mittels einer Powerpoint.-Präsentation.

Wichtigste Vorgabe war,  die fossile Energie mit regionalen Brennstoffen in einer zentralen Heizanlage zu ersetzen, an die alle Liegenschaften der Brauerei angeschlossen werden können. Mit dem Bau des Biomasseheizwerkes ist dies bestens gelungen, neben den Brauerei internen Gebäuden werden künftig auch der Poststall und das Malzhaus mit Wärme versorgt.

Bei der Planung waren viele Parameter zu berücksichtigen. Der Jahresgesamtwärmebedarf liegt einschließlich des Spitzenbedarfs bei rund 6.400 Mwa/a. Bei der neuen Anlage werden  nun 81 % der Grundlast durch den Biomassekessel abgedeckt. Das in der eigenen Kläranlage anfallende Klärgas wird in einem kleinen Blockheizkraftwerk zu Wärme und Strom umgewandelt, der Strom geht ins Betriebsnetz, die Wärme deckt weitere 5 % der Grundlast. Warmwasser- und ein Dampfpufferspeicher nehmen abstrahlende Energie aus dem Biomassewerk auf und bringen nochmals 4 % Wärme. Nur zehn Prozent des gesamten Bedarfs werden mit dem Spitzenlastkessel abgedeckt, für den leichtes Heizöl verwendet wird. Der Spitzenlastkessel geht nur in Betrieb, wenn die Grundlast nicht mehr ausreicht oder die Anlage gewartet werden muss. 

Um den Wärmebedarf von 6.400 MWa/a im Jahr zu erzeugen, mussten bis jetzt 640.000 Liter schweres Heizöl verbrannt werden, dem stehen nun 3.000 Tonnen Hackgut und rund 50.000 Liter leichtes Heizöl bei Spitzenlast gegenüber. Dies ist eine enorme Verbesserung für die Umwelt und ein großer Schritt in die Zukunft und für nächste Generationen, meinte Michael Gammel und ging dann noch auf einige technische Daten ein. 

Der Biomassekessel erzeugt in der Stunde 1.400 kW bzw. 2.0 t/h Dampf, die Leistung des Spitzenlastkessels liegt bei 2.600 kW oder 4,4 t/h Dampf. Der Biomassekessel braucht bei Vollast 550 kg/h Brennmaterial bei ca. 40 % Wassergehalt, wobei der Kessel eine relativ breite Toleranz in Bezug auf den Wassergehalt hat. Im Brennstoffbunker mit Schubboden können ca. 450 cbm Hackgut gelagert werden, das derzeit aus dem Achental und der Gegend von Wasserburg kommt. Der Bunker wird zweimal wöchentlich befüllt.

Hervorzuheben ist auch der sehr niedrige Staubgehalt nach dem E-Filter, der mit <20 mg/Nm3  weit unter den genehmigten 100 mg/Nm3  liegt. Der Pufferspeicher enthält 20 cbm Wasser. Im Biomassedampfkessel wird ein Druck von 18  /6 bar erzeugt, die Vorlauftemperatur im Fernwärmenetz beträgt bis 100 Grad C, das gesamte Netz, das auf dem Betriebsgelände der Firma Wieninger verlegt ist, hat eine Länge von ca. 2.000 m.

Mit der Powerpoint-Präsentation erläuterte Herr Gammel noch einmal bildlich die  einzelnen Details der Anlage, die dann beim Rundgang von allen Anwesenden noch genau besichtigt werden konnte.

Zuvor aber gratulierte 1. Bürgermeister Franz Schießl Christian Wieninger und allen Verantwortlichen der Brauerei Wieninger im Namen der Marktgemeinde Teisendorf und des Gemeinderates zu dem gelungenen Werk und dankte für die große Weitsicht mit regenerativer Energie den Betriebsablauf für die Zukunft zu sichern. Er freue sich, dass nun auch der größte Betrieb in Teisendorf, die Brauerei auf regenerative Energie umgestiegen ist und zur Herstellung des Naturprodukts Bier auch Wärme aus Naturprodukten verwendet. Teisendorf als Gemeinde ist durchaus Vorreiter in Sachen regenerativer Energie, Schießl nannte das von ihr seit dem Jahre 2000 betriebene Biomasseheizung an der Turnhalle, womit auch der Marktkernbereich mit seinen öffentlichen Gebäuden und einigen Privatgebäuden mit Fernwärme versorgt werden. Durch die gute Zusammenarbeit zwischen Brauerei und Gemeinde war es möglich, dass die Brauerei während der Sommermonate auch die Wärmeanlage bei der Turnhalle, die sonst mit Öl betrieben wurde, übernimmt. Schießl hob auch die zahlreichen privaten  Photovoltaikanlagen hervor, die  Schwimmbäder in Neukirchen und Teisendorf werden mit Solarenergie beheizt, und an der Sur steht ein privates  Wasserwerk. Einige Landwirte betreiben zusammen ein Biomasseheizwerk und seit wenigen Tagen wird auch die St. Anna-Siedlung und das Kolping-Hotel mit Fernwärme vom gemeindlichen Bioheizkraftwerk in Warisloh versorgt.

Bürgermeister Schießl bedankte sich bei Christian Wieninger und seinen Mitarbeitern, dass im Betriebsablauf der Brauerei bereits seit 20 Jahren das Thema Umwelt mit verschiedenen eigenen  Initiativen groß geschrieben wird. Die Brauerei trägt damit dazu bei, dass auch künftige Generationen bei uns gut leben und arbeiten können.

Vor dem Rundgang durch die neue Anlage erteilte ihr Pfarrvikar Ludwig Westermeier noch den kirchlichen Segen und betonte in seiner kurzen Ansprache, wie wertvoll es ist, dass mit der neuen Anlage Natur und Umwelt geschont werden. Der Segen Gottes solle dazu beitragen, dass die Anlage zum Nutzen der Menschen laufe und kein Unfall und kein Schaden passiert.

Dann erfolgte die Schlüsselübergabe an den Bauherrn Brauereichef Christian Wieninger und einiger seiner Mitarbeiter. Wie Herr Gammel in launiger weise meinte, hoffe er nicht, dass das Brennmaterial einmal so knapp werde, dass auch der hölzerne Schlüssel verheizt werden müsse. Gott sei Dank wachse in Bayern immer noch sehr viel mehr Holz nach, als verbraucht werden könne. Er bedankte sich für die  sehr gute und konstruktive Zusammenarbeit  zwischen seinem Büro, den Firmen und allen Beteiligten der Brauerei. Der Bau konnte den Vorgaben entsprechend bei laufendem Betrieb unfallfrei abgewickelt werden

Bei einem Rundgang konnten sich die Gäste von den gewaltigen Ausmaßen der neuen Anlage überzeugen, die Mitarbeiter des Büros Gammel erläuterten alle anstehenden Fragen.