"Große Bühne“ in der Brauerei

Wieninger Einzelmeldung

 

Kaled

Oliver Kettner am analogen modularen Synthesizer

Stefan Dettl

Polaroid-Fotos im Sudhaus

Kris Kind

30.11.2018

Kunst, Kultur und Kabarett im Brauhaus - Einmaliges Kulturevent begeistert zahlreiche Besucher

Ein in seiner Art einmaliges Kulturevent erlebte die Marktgemeinde  am Samstag  Abend „Nachts im Brauhaus“ war nicht nur die Überschrift dazu, sondern auch Programm.   Denn ab 19 Uhr wurden  die alten Gebäude der Brauerei Wieninger zur Off-Location für Kabarett, Kunst und Rock- und Popmusik vom Feinsten. Bei einem Rundgang durch die Brauerei konnte man zwischen Sudkesseln und Malzböden über moderne Malerei, Fotografie  und Installationen verschiedener Art staunen. In der zur Konzert-Location  umfunktionierten Lagerhalle wurde Pop-  und Rockmusik unterschiedlicher Stilrichtungen unplugged angeboten. Ab Mitternacht ging's richtig ab bei der bis in die Morgenstunden andauernden  After-Show Party. Und das alles auch noch für einen guten Zweck. Denn die Erlöse der Veranstaltung gehen als Spende an die Organisation „Viva Con Agua de Sankt Pauli“, die sich seit Jahren für einen menschenwürdigen Zugang zu Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung in Afrika einsetzt. 

Der erste Höhepunkt des abwechslungsreichen Programms war der Auftritt des bekannten Laufener Kabarettisten Ernst Jani.  In dem bis auf den letzten Platz besetzten Empfangsraum der Brauerei sorgte er mit  seinem literarisch-kabarettistischen Soloprogramm „AU WÄ – Der Föhn-Der Grant-Das Bier“ für ungezählte Lacher und sehr gute Stimmung. In gekonnt ironischer Manier nahm Jani den Bayern und die bayerische Lebensart facettenreich ins  Visier und erinnerte dabei wiederholt  an den Meister des subtilen Humors, den Schriftsteller Herbert Rosendorfer, der die „bayerischen Sportarten wie „Grantln, Fingerhackln oder Fensterln“ passend beschrieben hat. Aber auch „die Preissn“ bekamen ihr Fett ab, weil sie weder die Sprache noch die bayerische Gemütlichkeit, beziehungsweise den Grant verstehen, „der beim Bayern als Urtrieb immer vorhanden ist, als Stand by sozusagen“.  Der ganz normale Alltagswahnsinn mit Liebe, Eifersucht, Urlaub und Reisen kam auch nicht zu kurz. Es ist  fast unmöglich, aus dem gefüllten Programm  ein Highlight auszuwählen. Deshalb hier nur ein zufällig ausgewählter Satz:  „Die Bayern denken beim Reden, deshalb, sind sie so wortkarg!“.

Mit Bildern und Installationen der Künstler  Kris Kind und Jari Genser, die in Wien und Salzburg leben und arbeiten, den Backstage Polaroids des Fotografen Andreas Pfohl und  den Klangexpeditionen der Gruppe „Schallmodul“ beziehungsweise „Audio Testing Area“ aus München, wurde das Sudhaus für eine Nacht zur Kunstgalerie. Es war erstaunlich, wie gut sich die moderne Kunst in die alten Gemäuer und die technischen Anlagen zur Biererzeugung integrierte und bei dem  Besucher zu einem gänzlich neuen Blick auf Beides führte.  

Der Urbane Konzeptkünstler Kris Kind- will nach eigener Aussage  mit seinen gesellschaftskritischen, sehr provokativen  Bildern aufrütteln und einen Diskurs auslösen. Um seine Bilder Schicht für Schicht aufzubauen, verwendet er Polyesterharz. Dass er so eigentlich abwaschbare „Plastikbilder“ produziert, findet er nur zeitgemäß. Er mischt Malerei mit Collagentechnik und Digitalisierung; seine Bildentwürfe entstehen oft am Computer. Kind arbeitet gern mit Müll, denn „wir sind eine komplett zugemüllte Gesellschaft“ so der Künstler. Passend zu seinem Projekt „Good titles for Artworks“ hatte Jari Genser  auf eine Wand des Sudhauses einen Arbeitstitel für ein potentielles zukünftiges Werk aufgemalt, den man erst bei genauem Hinschauen entdecken konnte. „Wer Wasser predigt und Wein trinkt, bei dem sind Hopfen und Malz verloren“ verhießen die schwarzen Buchstaben. Mit seinen Polaroid-Aufnahmen von hinter den Kulissen („Backstage“) gibt Andreas Pfohl Einblicke in den Alltag der Künstler. Er verkauft seine Bilder schon seit mehreren Jahren zugunsten von Viva con Agua, weil ihm  die Ziele des Vereins „Wasser für all“ wichtig sind.

Eingebettet in das Schaltpult der Sudkessel standen die modularen analogen Synthesizer von Mathias Kettner und Oliver Rauscher, auf der Empore Andreas Polkhart mit elektronischer Gitarre. Für das  Münchner Team ist die Improvisation integraler Bestandteil ihrer Arbeit, jedes Stück ist einmalig und bekommt auf der Bühne erst seine endgültige Form. Untermalt mit an die Decke geworfenen  grünen und roten Laserstrahlen, bot dies den Besuchern eine einmaliges Spektakel. 

Auch das musikalische Programm, dargeboten auf einer aus Paletten und  Bierkästen passend zur Brauerei aufgebauten Bühne konnte sich hören lassen. Zur Einstimmung sorgte die Rockmusik der Salzburger Band SPYCATS.    Stefan, Kevin und Johannes sind   in der Salzburger Musikszene keine Unbekannten mehr. Ihre Musik, mit tollem Sound, geprägt von der Liebe zur Gitarre  fand auch unter den Teisendorfer Zuhörern  viele  Freunde Anklang. In einen ganz andere Richtungen ging  die Musik des jungen Münchner Sängers KALED, die von  Elementen des  Pop, Soul, Rock und nicht zuletzt der deutschen Liedermacher wie Konstantin Wecker geprägt ist. Der Funke zum Publikum sprang schnell über, Mitmachen und Mitsingen war angesagt.

Dann aber kam  Stefan Dettl, der Frontmann und Sänger der Band LaBrassBanda. Begleitet von dem Bassisten Fabian Jungreithmayr brachte er die Halle mit seiner energiegeladenen Acoustic –Session vom Feinsten zum Kochen. Bereits sein etwas ungewöhnlicher Einzug mit einer Musikeinlage mitten im Publikum elektrisierte. Dann warb der  Ausnahmemusiker erst mal mit einem  kurzen Plädoyer für die Unterstützung des „Viva con Agua“ Vereins, dessen Arbeit alle Künstler des Abends, durch ihren unentgeltlichen Auftritt unterstützen würden, bevor er mit seinem  typischen Sound aus Techno, Reggae, Ska und Punkmusik loslegte.

Natürlich konnte man sich zwischen Kabarett, Besichtigungstouren und Musik-Sessions mit Bier und von Food Trucks angebotenem Essen stärken. Die Feierwütigen konnten den Abend  noch lange bei der Aftershow-Party genießen. Die österreichische Band Allen Alexis samt DJ-Set sorgte mit einem Gemisch von Elektropop über Punk und Techno  für die richtige Party-Stimmung.  

Initiiert worden war  das Projekt von Brauereichef  Christian Wieninger, dem  Fotografen Andreas Pfohl und Christian Rogl, Produzent von Musikvideos.  Das Projekt sei „aus einer Bierlaune heraus“ entstanden, so der Bräu, denn so etwas habe es in der Region noch nicht gegeben . „Was man in Berlin oder München kann“, fügt er schmunzelnd hinzu, „können wir in Teisendorf auch“ . Und wenn man damit auch noch eine so wichtige Arbeit, wie die von  „Viva Con Agua de Sankt Pauli“ unterstützen kann  und alle Künstler dabei freiwillig mitmachen, dann sei das eine prima Sache. Das große Interesse der Besucher gab den Initiatoren recht. Hoffentlich folgen noch viele ähnliche Nächte im Teisendorfer Brauhaus.